Die Zukunft ist (zumindest auch) körperlich,
findet man bei der 25. Ars Electronica: So schwimmt, schwankt, tanzt und singt man in Linz.
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Klaus Obermaiers "Apparition" wurde am Samstag im Posthof vorgestellt: Licht wächst um eine Tänzerin und einen Tänzer, erfüllt die Körper, fällt auf sie, zieht sie zu Boden und hebt sie wieder auf. Eine faszinierende Täusch- und Tarn-Show, mit der Pointe, dass das Licht trickreich Materie mimt, die der Schwerkraft unterworfen ist. Und die Tänzer tanzen in der Halbwelt dazwischen. Muss wiederholt werden!
Zumindest eine Zukunft des Tanzes hat man also gesehen in Linz.
Die Presse
Thomas Kramar, 06.09.2004
Ein magischer Tanz mit dem Partikelstrom
Die Medienperformance beginnt mit einem Befehl: Wie die Commandozeile auf einem Bildschirm zieht ein weißes Lichtband vom Arm der Tänzerin über die gesamte Leinwand zum Tänzer. "Apparition" zeigt im Ringlokschuppen eine "Dreiecksbeziehung" von Mann-Frau-Computer.
Das Stück erfordert eine veränderte Wahrnehmung von Technologie. Es ist "Contemporary Dance", den die Norwegerin Desireé Kongerød und der Engländer Robert Tannion aufführen: körperbetont artistisch, vital und ausdrucksstark. Tänzerin wie Tänzer merkt man die Wurzeln an. Kongerød tanzte für die stark visuell-künstlerisch orientierte Londoner "Yolande Snaith Theatredance"-Gruppe, Tannion für das innovative wie rebellische "DV8 Physical Theatre". Fast behutsam berühren und umfassen sich beide, stemmen sich gegenseitig hoch.
Zwischen ihnen und den Partikel-Projektionen auf der Leinwand existiert ein unsichtbares Band aus Infrarot- und Bewegungssensoren, das - ebenso vorsichtig - Haltung, Position und Bewegung der Körper verzeichnet. Technologie weist so, aller Erfassung und Abtastung zum Trotz, kaum bedrohliche Züge auf und wird zu einem verrätselten, fast magischen Ereignis.
"Wir haben es hier mit wirklicher Interaktivität zu tun", verrät Klaus Obermaier, Medienkünstler, Komponist und Regisseur von "Apparition", denn die Bewegungen der Tänzer interagieren mit einem relativ eigenständigen Simulationsmodell - einer Welt aus Lichtlinien und -punkten. Die vom Futurelab programmierte "Real World Physics", in Echtzeit berechnete naturwissenschaftlich-physikalische Prozesse hinter den Projektionen, würde auch ohne Bewegung der Tänzer "Lichtwelten" erzeugen.
Dies unterscheidet sie von der bloßen Eingabe eines Befehls, der vom Computer befolgt wird und eine gewünschte Antwort erzeugt. [...]
Als das Licht im Saal wieder angeht, applaudiert das Publikum zuerst verunsichert, dann jubelt es minutenlang begeistert. Zu Recht, denn die Referenzveranstaltung zur Bewerbung als Kulturhauptstadt 2010, hat keine Skepsis verdient. Die enge Zusammenarbeit zwischen Ringlokschuppen und Klaus Obermaier besteht seit dem Gastspiel des Video/Dance/Music-Projekts "D.A.V.E.".
2002 kooperierten beide für die Tanzproduktion "Vivisector", bevor der Ringlokschuppen 2004 sogar die Produktion von "Oedipus reloaded" übernahm. Mit "Apparition" hat man nicht einfach ein auf der Ars Electronica ausgezeichnetes Stück Kultur ins Ruhrgebiet geholt, sondern gezeigt, dass sich das Ruhrgebiet kulturell auf internationalem Niveau bewegt.
WAZ
Dennis Vollmer Holger, 10.04.2005
Packende Bilderflut der Gegensätze
Obermaier hat es geschafft, seine Kombination von Tanz und Multimedia noch einmal zu perfektionieren. Nicht nur die Tänzer Robert Tannion und Desireé Kongerød überzeugen mit einer ausgereiften und intensiven Choreographie. Auch die visuellen Effekte sorgen für Verblüffung. Denn Obermaiers Computerprogramm reagiert direkt auf die Tanz-Bewegungen. [...] Ein Stück das die Sinne des Betrachters gewaltig durcheinander wirbelt.
Nürnberger Nachrichten
erl, 02.05.2005
Erste Höhepunkte
Schon schön, was man - genauer: der Österreicher Klaus Obermaier - alles mit dem Computer machen kann. Das interaktive Projekt APPARITION [...] reizt die Netzhaut raffiniert mit faszinierenden Spielereien à la Op-Art und bildet damit stellenweise einen richtigen Sog: ein Feuerwerk der tanzenden Zeichen.
NZ Feuilleton
lupus, 02.05.2005
Tanz mit Computer
[...] Mehr als in seinen früheren Arbeiten hat er mit APPARITION [...] den Menschen triumphieren lassen. Robert Tannion und Desireé Kongerød tauchen unbeschadet aus dem elektronischen Wellenschlag, der sie nur scheinbar auflöste, wieder hoch und bleiben Tänzer. Erstklassige!
Abendzeitung
D. S., 02.05.2005
Hypertext to hyper-active-text.
[...] Die Premiere von Apparition wurde enthusiatisch aufgenommen und provozierte einen langen, begeisterten Appalaus.
Ballet-Dance Magazine
Cerise, November 2004
Ars Electronica: „Apparition“, die faszinierende Sinnestäuschung von Klaus Obermaier
Im Kabinett des Dr. Frankenstein der Medienkunst
Gar nicht so einfach zu beschreiben, was derart faszinierend den Sehsinn verwirrt: Der Linzer Multimediakünstler Klaus Obermaier hat mit seinem Projekt „Apparition“, am Samstag und gestern im übervollen Linzer Posthof zu sehen, seine Tanz/Video/Musik/ Mensch-Kombination seit dem Beginn vor einigen Jahren mit „D.A.V.E“ konsequent und mit Unterstützung des Ars Electronica-FutureLab weiter entwickelt.
Eine riesige Leinwand, auf der Videoprojektionen voll suggestiver Kraft ablaufen, die zur Verwirrung des Sehsinnes beitragen: Lichtbänder in enormer Geschwindigkeit scheinen sich dreidimensional in unendliche Tiefen zu bewegen. Die beiden athletischen Tänzer – Desiree Kongerod und Robert Tannion – sind Projektionsfläche für Filmbilder, die exakt auf die jeweiligen Bewegungen abgestimmt sind: auf ihren Körpern wird imaginiert, gezeichnet, geschrieben.
Klaus Obermaier, der Frankenstein der Multimediakunst, hat wiederum durch diese durchaus auch sinnliche Symbiose von Mensch und Technik Wesen geschaffen, die zwischen körperlicher Präsenz und virtueller Auflösung agieren. Der Linzer David Copperfield der Illusion und Sinnestäuschung lässt auch Philosophisches einfließen, setzt den Gedanken des Eintauchens in das eigene Gehirn auf unglaublich beeindruckende Weise um: Durch Stroboskopeffekte entsteht ein Sog, der den Tänzer im eigenen Kopf verschwinden lässt und dem sich auch das Publikum nicht entziehen kann.
Das alles zu düster-flirrendem, dynamischem und rhytmischem Synthesizer-Sound. Eine Stunde konzentriertes Zusehen und begeisteter Applaus.
Oberösterreichische Nachrichten
Silvia Nagl, 06.09.2004
[...] Desiree Kongerods und Robert Tannions präzise und energische Performance entfachten einen stürmischen Applaus.
New York Times
by ED WARD, September 8, 2004