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Noche en Blanco, Lima/Peru
Schlaflos in Lima ... Zwischen Projektion und Realität ... Zweite Station dieser Aprilnacht war der Vorraum eines Großen Stadions, wo eine Open-Air-Bühne auf den nächsten Programmpunkt wartete: das Kultstück "D.A.V.E." der beiden Österreicher Chris Haring und Klaus Obermaier. Das in 26 Ländern gezeigte Stück hat auch zehn Jahre nach der Uraufführung nichts von seiner Wirkung eingebüßt: Die Idee, Videoaufnahmen direkt auf den Körper des Tänzers zu projizieren und damit augenscheinlich Wirkungen und Nebenwirkungen visueller Medien zu demonstrieren, ist so überzeugend wie eh und je. So ließ sich auch das Publikum in Lima von "D.A.V.E." gefangen nehmen ... RHEIN-NECKAR-ZEITUNG Isabelle von Neumann-Cosel, 16. Mai 2009 Austrian Dance Days, Tel Aviv/Israel Stiehlt die Show Wenn die Worte „Virtuelle Realität“ etwas bedeuten sollen, dann in der Performance des österreichischen Medienkünstlers Klaus Obermaier, der aus dem menschlichen Körper ein kinetisches Spielfeld macht. Sehen und nicht glauben. Bewusstsein und Bewusstseinsbewegung. Realität und Auffassung von Realität. Image und Auslegung. Kinetik. visuelle Tricks und visuelle Manipulation. Technologie und Genetik. Metamorphose. Ein großer Schwall an Daten und ein unendlicher Fluss an Bewegung von Material und Gedanken. Die österreichische Multimedia Show D.A.V.E. Digital Amplified Video Engine ist alles das und viel mehr darüber hinaus. D.A.V.E. ist eine geniale Darbietung, eine vorzügliche synchronisierte Kooperation des österreichischen Medienkünstlers und Komponisten Klaus Obermaier und des Choreographen und Tänzers Chris Haring. Es ist eigentlich eine Art Computerspiel, das den menschlichen Körper als Spielfeld benutzt, auf dem Bildnisse ausgestrahlt werden, die es ihm ermöglichen, sich zu ändern und videographische Mutationen zu schaffen. Bei allem Respekt für „Dance Europa“, diese minimalistische Produktion, die sich ganz leise nach Israel eingeschlichen und leider fast keine P.R. im Rahmen des Tanzfestivals erhalten hat, hat einfach allen die Show gestohlen. Die physische Verbindung zwischen der Video-Arbeit und dem Körper, auf dem sie ausgestrahlt wird, fordert andere Deutungen für die Bildnisse, die das Auge erkennt und zerlegt. Die Arbeit spielt sich auf der Trennlinie zwischen dem Bekannten und dem sich Ändernden ab, und bringt ständig die Frage auf, wo die Grenzen des Körpers sind. Chris Haring ist ein Gefäß en Katalysator der Energie, die aus ihm herausbricht, und der Empfindungen, die er mit Hilfe der metaphorischen Bildnisse erzeugt. Die Bewegung ist scheinbar stärker als der Körper, und manchmal scheint es, als wäre der Tänzer darin gefangen und von einem Dibbuk besessen. Mit Hilfe der auf ihm ausgestrahlten Bildnisse eine schnelle Bewegung eines Zuges auf Gleisen, eine schwangere nackte Frau, vergrößerte Körperteile und andere, die ausgeblendet werden die Existenz als solche wird eigentlich zu einer Möglichkeit von unendlich vielen Möglichkeiten, die der Mechanismus vorschlägt. Dieses Ritual ist Hoffnung für eine sich verändernde und grenzenlose Welt zwischen Material und Geist, ist aber auch ein Albtraum da bei Lichtwerden im Saal der ganze Zauber verschwindet. Wenn das konträre Wortpaar „Virtuelle Realität“ eine Bedeutung hat, dann ist es in dieser mitreißenden Darstellung, die eine New Age Perspektive über das Physische liefert, dem Zuschauer die Kontrolle entzieht, und mit Begriffen wie Objektivität und Proportionen spielt. Ein hypnotisierendes und anspruchsvolles Projekt. YNET Merav Yudilowich, 31. Oktober 2006 Die Kunst hat die Idee übertroffen Die Tanzperle aus Österreich hat allen hier in diesem Monat aufgeführten Tanz Performances die Schau gestohlen, vor allem wegen ihrer Weisheit, ihrer Finesse und ihrer menschlichen Wärme. Änderungen an der Identität des Tänzers: D.A.V.E. wurde zu Ende des Festivals der Österreichischen Tanztage gebracht, aber auch am Ende von Dance Europe, zwei Ereignisse, die uns den Oktober gefüllt haben, die gemeinsam begonnen, aber aus irgend einem Grund separat zu Ende gegangen sind. Bei dieser besonderen Aufführung entstand eine fantastische Verbindung zwischen Tanzkunst, Videokunst und Musik. Es beginnt mit einer glänzenden Idee an sich, die vom Medienkünstler und Komponisten Klaus Obermaier kreiert wurde und gemeinsam mit dem Choreographen/Tänzer Chris Haring eröffnet wird. Obermaier macht am Körper des Tänzers mit Hilfe der Projektion eines andern Körpers Manipulationen, die mit Hilfe eines Computers erzeugt werden. Die Projektion auf den Körper und nicht auf Leinwänden ermöglicht Änderungen der Identität des Tänzers, der fast ständig in Bewegung ist. Im Laufe der Projektionen ändert sich die Gestalt vor den Augen der staunenden Zuschauer, sie altert, wechselt ihr Geschlecht, verzerrt ihre Haut und ihre Gliedmassen, und ein Moment des Abscheus geht in Humor über, als das After in den Mund eines Buben wandelt, der Bibelsätze von sich gibt. Die Ausführung der Idee ist perfekt, und erreicht tatsächlich ihre Ziele. Aber es hätte eine gelungene Idee bleiben können, wenn dem Werk nicht der wunderbare Tanz Harings angeschlossen wäre, der unter perfekter Kontrolle aller Körperteile unvergessliche Bilder von Bewegung ohne Atempause schafft. Einer der hervorstechenden Charakteristika an seinem Solotanz ist, dass er sich selbst fast nicht berührt, nicht wenn er seinen Kopf und seinen Rücken streichelt, nicht wenn er sich selbst vom Boden hoch wirft, außer ein Mal, gegen dem Ende zu, wenn er versucht, seine Haut abzuziehen- zu verzerren, auf dem Weg zu einem weitern Stück, in dem eine Videoprojektion eine weitere faszinierende Veränderung an seinem kräftigen Körper bewirkt. Die Bedeutung des Namens des Werkes ist „Digital Amplified Video Engine“. Am Ende der Vorführung, nachdem keinerlei Anzeichen für die Präsenz des Ursprungs der geschafften Videowunder der vergangenen Stunde erkannt werden konnten, entdeckte ich ein winziges Gerät am Boden des Saales „Cameri 4“ vor der ersten Reihe. Jemand ist aus Versehen fast darauf gestiegen. Abschließend kann man sagen, dass Harings Tanz dem Videowerk von Obermaier echtes Leben gegeben und aus der Idee an sich ein Kunstwerk auf höchstem Niveau geschaffen hat. Es gibt noch eine Vorführung am Abend. Versucht sie zu sehen. Ihr werdet es nicht bedauern. HABAMA Zwi Goren, 31. Oktober 2006 Donumenta/Regensburg, Deutschland Das stets zur Täuschung bereite Auge donumenta: Bei der Performance „d.a.v.e.“ verschmelzen Zeit, Raum und Identität „Das hab ich mit eigenen Augen gesehen!“ Das hört man oft, wenn es um „Zeugenschaft“ geht; wenn jemand die Undurchschaubarkeit dessen, was gerade geschieht, nicht mehr aushält und auf seine sinnliche Gewissheit pocht, die doch nicht trügen könne. Von wegen! Nichts ist so wie es scheint und unser Auge immer schon bereit, sich täuschen zu lassen. An die Stelle der eindeutigen Realität rücken dann die Gespenster, die aus unserer wunsch- und angstdurchsetzten Innenwelt aufsteigen, und die Chimären, die uns durch technische Apparaturen vorgespiegelt werden. Alle, die zunehmend gebannt im Uni-Theater saßen, sind „live“ dabei gewesen bei der Video-Tanzperformance der Österreicher Klaus Obermaier und Chris Haring und haben sich, „mit eigenen Augen“, täuschen lassen über den unerhörten Vorgang nur ein paar Meter entfernt, „hautnah“, auf der Bühne. Scheinbar ist man nur dem leeren Raum und dem halbnackten menschlichen Körper konfrontiert, scheinbar hat man alles unter Kontrolle, muss weder doppelten Boden, noch Tricks, noch andere Fallen fürchten und doch werden wir rasch „Zeugen“ eines sinnverwirrenden Zaubers. Wild rotierende Mensch-Puppe Der muskulöse Mann, der sich eben noch in kleinen Trippelschritten auf der Stelle drehte, verwandelt sich unter unseren Blicken in eine wild rotierende Mensch-Puppe, in einen virtuellen Zombie, der das Tanz-Subjekt verschluckt. „d.a.v.e.“, „digital amplified video engine“, heißt dieser Kunst-Körper, der die Wirklichkeit dicht vor unseren Augen in einen überirdischen „Cyberspace“ verwandelt, in dem alles möglich scheint, in dem jedenfalls die Grenzen von Raum, Zeit und Identität aufgehoben sind. Die Übergänge zwischen dem realen Tänzer Chris Haring und der Video-Maschine, die ihn vertritt und ersetzt, bleiben sechzig Minuten lang fließend. Das, was am sichtbarsten scheint, nackte menschliche Haut, wird zur Projektionsfläche, zum Ereignisraum. In dieser knappen Stunde „erfahren“ wir, wie im Zeitraffer, all die Schönheiten und Schrecknisse, die sich mit unserem Körper verbinden, sind Zeit-Genossen unheimlich-irrealer Abläufe, von Mutationen und Metamorphosen, von Gestalt- und Geschlechts-Wandel. Chris Haring und sein virtuelles Double durchleben all das, was unser Dasein ausmacht und wovon jahrtausendealte Mythen und post-moderne Science Fiction erzählen. Aus drei Teilen besteht diese surreale, Traum und Wirklichkeit durchmischende Performance: aus erdenschwerem, nie den Boden der Tatsachen verlassenden, auf alle „Sprünge“ verzichtenden Tanz; aus Projektionen, die wie aus einer anderen Welt in diese „reale“ einbrechen; und aus der Maschinen-Musik des Komponisten und Medien-Künstlers Klaus Obermaier. Rasante Fahrt durch die Psyche Wer täuschen will, muss die Übergänge zwischen den Sphären, die „Schnitte“ unsichtbar machen. Dazu braucht es Präzision, perfektes Timing. Das Zusammenspiel dieses Mensch-Maschine-Musik-Ensembles ist verblüffend; der Zuschauer kann am Ende seinen Augen nicht mehr trauen und will es auch gar nicht. Die Idee der Zeugenschaft erlischt im Theater des Unbewussten, bei dieser rasanten Fahrt durchs Labyrinth unserer Psyche. Nichts ist wie es scheint. Dem, was wir mit eigenen Augen sehen, können wir zuallerletzt trauen. Sie sind der Ort, wo Wahrheit und Lüge, Realität und Fiktion ineinander übergehen. MITTELBAYERISCHE ZEITUNG Helmut Hein, 2. Oktober 2006 Tanztheater "D.A.V.E." Spätestens seit dem Auftritt des bulgarischen Tänzers Ivo Dimchev im letzten Jahr, ist es bei der donumenta Tradition, gerade auch im Tanztheater außergewöhnliche Positionen zu präsentieren. Die Performance "D.A.V.E." des österreichischen Komponisten und Medienkünstlers Klaus Obermaier und des Choreographen und Tänzers Chris Haring fügte sich da gut ein. Denn alle Besucher im nahezu ausverkauften Theater an der Universität waren sich darüber einig, noch nie etwas Vergleichbares gesehen zu haben. Die Tanzperformance, die die donumenta in Kooperation mit der Alten Mälzerei veranstaltete, war eine Art postmodernes trompe-l’œil-Gemälde, in dem die Wahrnehmung der Zuschauer auf eine harte Probe gestellt wurde. Der Körper des Tänzers diente als Projektionsfläche und auf diese wurden wiederum Bilder von Körpern geworfen. Auf diese Weise entstand ein Techno-Körper, der Mann und Frau, alt und jung zugleich war. D.A.V.E. ist der Prototyp eines hybriden Körpers, der nicht länger an die Fesseln seines Fleisches gebunden ist. Er kann alles zugleich sein. Nie war eindeutig zu erkennen, ob es sich bei dem Dargestellten nun um eine Projektion oder um den realen Körper des Tänzers handelte. So unheimlich dieses Projekt auf den ersten Blick auch scheinen mag, Obermaier und Haring geht es offensichtlich nicht nur darum, in alarmistischer Weise vor den Gefahren der Biotechnologie zu warnen. Sie zeichneten vielmehr ein erstaunlich ambivalentes Bild, in dem das Zukunftswesen D.A.V.E. mitnichten nur als bemitleidenswerter Mutant erscheint. Chris Haring tanzte diesen futuristischen Proteus mit einer erstaunlich distanzierten Expressivität manchmal erinnerten seine roboterhaften Bewegungen an die Moves junger Breakdancer und verausgabte sich dabei doch ganz und gar. Der Applaus für diese außerordentliche Leistung war gewaltig, was die beiden Künstler die Jubel schon rund um die Welt erfahren durften sichtlich rührte. REGENSBURG KULTUR Paul-Philipp Hanske, 2. Oktober 2006 Villette Numerique/Paris, Frankreich Bit bit hurrah! Eine geniale Tanzperformance der beiden Künstler Obermaier und Haring über das Thema der Manipulation des menschlichen Körpers in einem Zeitalter der biotechnologischen Reproduzierbarkeit. Es geht um ein Zitieren von und ein ironisches Spiel mit allen jenen Formen, in denen Literatur und Kino (vom klassischen hin zum Science-Fiction-Cyberpunk und zum Splatter-Genre) aber auch Kunstgeschichte Mutationen und die damit einhergehenden Dekonstruktions-Obsessionen (die in diesem Fall zu "Verbiegbarkeit" und "Austauschbarkeit" werden) der Identität erzählen: von "Die Verwandlung" von Kafka zu "Neuromante" von Gibson, von "Videodrome" von Cronemberg zu "Die Maske". Schichten von Videobildern, die direkt auf den Körper projiziert werden, die Glieder, Augen und Münder hinzufügen und den Körper aufs Äußerste entstellen ohne ihn jedoch zu verletzen, machen aus diesem Körper virtuell (was in diesem Fall einem magischen Akt gleichkommt) eine mythologische Figur: halb Mensch, halb Tier, halb Mann, halb Frau, aber auch halb Mensch, halb Maschine, halb Mensch, halb "Ding", eine undefinierte Form, die einem Steinhaufen entsteigt (wie die "Prigioni" von Michelangelo). Das neue Fleisch, das die Performance zeigt, ist direkt verwandt mit dem Cyborg von Donna Haraway, mit den "Nach-Menschen" von Sterling in "Die zerbrochene Matrix", aber vor allem mit dem Schlachtfleisch, anhand dessen Deleuze menschliche Figuren von Bacon definierte. Wie Bacons Bilder, die nach Vorlagen der "Fotografie in Bewegung" von Muybridge entstanden, die den Eindruck erwecken, einem "cinematografischen Prinzip" anzuhängen, einem Prinzip des Schauens, implodiert in ihrem Schrei, der auf der Leinwand erstarrt ist, der das Fleisch grausam macht und der dem Leben in seiner ganzen Undarstellbarkeit gleichkommt, so setzt die Performance einen Körper in sein Recht, der, unter Missachtung der Regeln der Ausgewogenheit und der Harmonie, buchstäblich enthäutet ist, zerstückelt, mechanisiert in Gegensatzpaaren wie Bewegung und Statik, Rotation und starrer Frontalität. Für einen Moment ist der Zuschauer irritiert: Nachdem er den Körper nicht mehr vor seinen Augen sieht, scheint es, dieser sei vom Bild verschluckt, verschlungen und dann in halluzinierter Form wieder ausgespien. Bleibt der Zweifel, ob das, was der Zuschauer auf der Bühne sieht, ein Hologramm oder ein menschliches Wesen aus Fleisch und Knochen ist. Mutation als zweite Natur, als eine Art "glückliche" Veräußerung des Menschen in die Sphäre der Bio-Technologie, schmerzloser Übergang in eine andere Realität, in eine neue "natürliche Künstlichkeit". "Das Video ist Teil des Körpers" notieren die Künstler in ihren Regiebemerkungen "oder besser, der Tänzer ist Teil des Videos." ateatro - webzine di cultura teatrale CUT-UP - MAGAZINE DELL'IMMAGINARIO Anna Maria Monteverdi, 18. Oktober 2002 In Transit/Heidelberg Schein, Sein und Technik Perfekt verkabelt: Das wollen sie alle (oder zumindest die allermeisten): Tanz, Ton und Video zu einer neuen Dimension der Wahrnehmung fokussieren. Bei der Biennale "In Transit" in der Heidelberger Klingenteichhalle ließen sich die verschiedenen Ansätze für die Integration von Video und computergenerierten Klangkulissen in das Gesamtkunstwerk "Tanztheater" entdecken aber nirgens so ästhetisch und intellektuell frappierend wie beim Wiener Duo Chris Haring & Klaus Obermaier in ihrem Stück "D.A.V.E." (digital amplified video engine). Hier wird der Körper selbst zur Projektionsfläche: Während der blonde, unerhört kraftvolle Chris Haring sich anfangs langsam dreht, nimmt sein digitales Alter Ego (braunhaarig, Brille) von ihm Besitz und dreht sich im rasenden Wirbel weiter, während des Tänzers bloße Füße unbeweglich auf dem Tanzteppich ruhen. Die Illusion ist zugleich gebrochen und perfekt: Klaus Obermaier führt dem Publikum genüsslich vor, dass es sieht, was es sehen soll, Projektionen nämlich, und die ferngesteuerten ästhetischen Erfahrungen wider besseres Wissen genüsslich goutiert. Frappierend ist die technische Perfektion, die den Tänzer hinter dem künstlichen Abbild verschwinden lässt und zugleich zeigt Klaus Obermaier, wie der digitale Zugriff auf die Gestaltungsmasse Mensch jeder Manipulation Tür und Tor öffnet. Komisch und gespenstisch zugleich ist es, wenn dem Videomann Augen, Ohren und Nase verrutschen und verzerren, wenn sich die Haut wie ein störender Vorhang zu Seite schieben lässt. Und immer demonstriert der Tänzer selbst die kraftvolle Geschmeidigkeit und fesselnde Beschränkung seines Körpers zugleich. Das hat viel von mühsamen Turnübungen und mündet immer wieder in nur halb befreienden Tanz perfekt unterstützt von einer Klangcollage, die zwischen tosendem Alltagslärm, rhythmischen und melodischen Einsprengseln scharf ausgeklügelte Akzente setzt. Aber nicht nur die Projektionen sind es, die das Bild im menschlichen Auge bis zur Unkenntlichkeit verändern: Die Beschränkung der Wahrnehmung ganz einfach vorgegeben durch die begrenzte Auflösungsfähigkeit des Auges demonstrierte Chris Haring durch aberwitzig schnelle Armbewegungen. Kein Zweifel, "D.A.V.E." hat das Zeug zum Kultstück schade dass die brandneue Produktion bislang nur als Insidertipp gehandelt wird. RHEIN-NECKAR-ZEITUNG Isabelle v. Neumann-Cosel, 18. Juni 2002 Zeig mir Dein Fleisch!/Kampnagel Hamburg Häutung und Reproduktion "Zeig mir Dein Fleisch!" intelligent abstrahiert Gefängnis und Bühne grenzenloser Möglichkeiten - zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Videotanzstück D.A.V.E. der beiden Wiener Künstler Chris Haring und Klaus Obermaier. Die Biomasse Mensch durchzogen von der Technik: Was spätestens in den gentechnischen Laboratorien am Tier makabre Wirklichkeit geworden ist, legt der Videokünstler und Komponist Obermaier auf seiner fantastischen Erkundungstour am Körper virtuell und passgenau wie eine zweite Haut um Harings muskulöse Statur. Froschaugen und Elefantenohren wachsen da dem Choreografen und Tänzer, durchkreuzen fliehende Landschaften in rasender Kamerafahrt seinen Leib. Traum und Trauma utopischer Entgrenzungen, in der Literatur und auf der Leinwand schon hundertfach erdacht und visualisiert - hier scheinen sie plötzlich noch einmal greifbar nah. Kurios sind die Verrenkungen, die das flexible Kraftpaket Haring da leibhaftig und hochkonzentriert im raffinierten Bühnenlicht vollführt. In dieser Performance fließt dabei kein Blut. Das Kampnagel-Reihenmotto "Zeig mir Dein Fleisch!" ist in dem Stück vielmehr in Tanz und Bild intelligent abstrahiert, humorvoll, poetisch und dennoch unbehaglich interpretiert. Die Präzision ist es, die ihre Begegnung von Tanz und Video so unvergleichlich macht. Sensibel ausgearbeitet sind die Übergänge zwischen der Materialität des realen Körpers und der Flüchtigkeit des virtuellen Abbildes, fügen sich dramaturgisch schlüssig zu einem verblüffenden Spiel mit der Präsenz. Obermaiers rhythmisch verschachtelte Klanggebilde legen darunter einen Teppich, der Bodenhaftung garantiert. Dann zieht und zerrt Haring an seiner Haut, die sich doch nicht öffnen lassen will. Die virtuelle Hülle schiebt er dagegen ganz mühelos beiseite; der Blick ins Innere fällt in ein schwarzes Nichts. Häutung und Reproduktion sind die Themen, Selbstbilder steigen wie geklonte Wesen reihenweise aus dem dunklen Loch heraus. Der Mensch hat seinen Körper zur Invasion freigegeben, hat sich schutzlos sich selbst ausgeliefert. Anfangs krümmt Haring sich auf dem Boden wie ein Embryo im Mutterleib. Am Schluss hat sich der Mann den Körper einer schwangeren Frau anverwandelt. TAZ Hamburg Irmela Kästner, 28. Jänner 2002 Festival Cour des Capucins/Luxemburg D.A.V.E., ein ausgeklügeltes Verwandlungsspiel Im Rahmen des Festivals «Cour des Capucins» wurde das Theater von Esch sur-Alzette für einen Abend die Szene eines originellen Treffens von Körper, Tanz und Multimedia. Zu Beginn dieses neuen Jahrhunderts ist die grosse Aufgabe des Tanzes, sich an technologisch und industriell neue Ausdrucksformen wie Video, Informatik oder Kybernetik zu wenden, um neue Techniken zu präsentieren. Der Tänzer ist nicht nur Darsteller, sondern auch Benutzer und geht über die Technik hinaus um Wissenschaft und Kunst harmonisch zu vereinen. Chris Haring und Klaus Obermaier sind solche Künstler, die kreieren, suchen, erforschen, sich vortasten und versuchen so weit als möglich die aktuellen Grenzen des Tanzes hinauszuschieben. ... Durch ein ausgeklügeltes Spiel mit Formen, das auf spitzfindige Weise das Reale und das Virtuelle, das Gegenwärtige und das Abwesende vermischt, wird eine neue Körperdimension suggeriert. und das Körperbild in Frage gestellt. ... Im Zeitalter genetischer Manipulationen, Implantationen und Klonage bringen uns Haring und Obermaier erneut zum Bewusstsein, dass der Mensch bald alle Be- und Einschränkungen, die ihm die Natur auferlegt hat, zurücklassen wird. Dank D.A.V.E. überschreiten wir problemlos die Schranken zwischen jung und alt, Mann und Frau: Der Körper des Tänzers löst sich in Videobildern auf. Reale und virtuelle Situationen schwenken uns vom Traum in den Alptraum, von Verwandlung und Erlösung bis zur Aufhebung aller physischen Gesetze. Ein eindrucksvolles, ausgezeichnetes Programm, das auf ein enges Zusammenarbeiten und Einverständnis der beiden Künstler schliessen lässt. Videoprojektionen, Musik, sowie die physische Präsenz des Tänzers sind von gleicher Wichtigkeit und haben das Publikum in eine andere Realität getaucht, die keinen der Besucher gleichgültig lassen konnte. LUXEMBURGER WORT Terpsichore, 25. Juni 2001 Duisburger Akzente 2001 Grandiose Eröffnung der 25. Akzente Dann folgte der mit Spannung erwartete Auftritt von D.A.V.E., digital amplified video engine. ... Dabei kreierten Klaus Obermaier und Chris Haring eine eigenwillige Bühnenwirklichkeit, bei der perfekte Videotechnik, Musik und Tanz eine bislang noch nicht gesehene Verbindung eingehen. Mit Hilfe eines Computers wird das Zusammenspiel von Tönen, Licht und Projektionen exakt gesteuert. Immer wieder lösen sich während der Performance Konturen auf, Bewegungsabläufe werden manipuliert, am Schluss erscheint der Tänzer als kokettierende Tänzerin; eine auf den Körper des Tänzers gerichtete Videoprojektion macht das möglich. Eine faszinierende Aufbereitung des Themas der Manipulation und Neugestaltung des menschlichen Leibs durch Gen-, Bio- und Computertechnologie. ... Eingebettet war Peter Sloterdijks gesprochener Essay in ein grandioses Eröffnungsprogramm. Klaus Obermaier (Medien und Komposition) und Chris Haring (Choreografie und Tanz) zeigten eine Performance, bei der Unmögliches möglich zu werden schien ... RHEINISCHE POST Peter Klucken, 7. Mai 2001 Eindrucksvolle Akzente-Eröffnung: Tanz mit Dave ... Was ist real, was Illusion? Die Technik macht sogar die totale Geschlechtsumwandlung auf offener Bühne möglich. ... Diese ungewöhnliche Show des Tänzers Chris Haring und des Komponisten Klaus Obermaier begeisterte enorm. NEUE RUHR ZEITUNG Ulla Saal, 7. Mai 2001 Tollwood Festival München Virtuelle Pirouette Die sensationelle Tanz-Video-Performance D.A.V.E. (Stern der Woche) Hochspannung in den 60 Minuten von D.A.V.E. Der Tänzer und Choreograph Chris Haring beherrscht solo mit enormer akrobatisch-athletischer Präsenz die leere schwarze Bühne und wandelt durch die Videos des Elektronik-Künstlers Klaus Obermaier Aussehen, Identität und sogar das Geschlecht. ... Der virtuelle Mensch, vorgeführt in artistischer Präzision, die ihresgleichen sucht. ABENDZEITUNG MÜNCHEN Gabriella Lorenz, 23./24. Juni 2001 Das blutige Fleisch "Der Körper ist nicht mehr zurückzuverwandeln in den Leib", erklärten Horkheimer und Adorno 1947. Seither hat die Manipulierbarkeit des Körpers Schwindel erregende Ausmaße erreicht. Beim Tanzprojekt D.A.V.E., ein Kürzel für "digital amplified video engine", ist er im wörtlichen Sinne Projektionsfläche. Barfuß, mit bloßem Oberkörper dreht sich Chris Haring zu tosendem Straßenlärm, ehe er zur Modelliermasse Mensch mutiert. Er zieht sein Gesicht wie Knetgummi auseinander, Augen wandern, das Kinn wächst abwärts, gebiert einen gespenstischen Mund. Der sich am Boden windende, seine kraftvolle Geschmeidigkeit und seine Beschränkungen demonstrierende Männerkörper wird die Leinwand für digitale Bilder, virtuelle Metamorphosen. D.A.V.E. zeigt zu einer Klangcollage mit sirrenden Synthesizertönen und pulsierend vorwärts jagenden Beats die Auflösung von Grenzen, Festschreibungen; der Mann wird zur Frau, bedeckt fröstelnd den nackten Busen. Doch die Gemeinschaftsproduktion des Tänzers Chris Haring und des Medienkünstlers und Komponisten Klaus Obermaier feiert nicht einfach die wunderbaren neuen Möglichkeiten physischer Verwandelbarkeit. Da wird in Anlehnung an Bacon das blutige Fleisch entblößt. Als würde er einen Reißverschluss aufziehen, öffnet der Tänzer seine Haut, schiebt sie wie auf anatomischen Abbildungen der Renaissance beiseite. Er kauert sich im Schattenraum seines Körpers (der am Ende doch das einzige Zuhause ist, das wir haben) verloren zusammen. Eine der anrührendsten Szenen führt uns die allernatürlichste, bis heute bestenfalls aufschiebbare Transformation vor: Mit schütterem weißen Haar legt Haring seine Hände beschämt-demütig auf die schrumpelige Brust. Im Wechsel von athletischen Tanzsequenzen und Illusionstheater gelingt im Tollwood-Zelt eine fesselnde Performance um körperkonzentrierte Visionen, Ängste und Sehnsüchte. Manchmal dominiert die pure Lust am phantastischen Spiel. ... Das Wiener Duo arbeitet mit Effekten und setzt sie geschickt eine spannende Stunde lang ein als kleine Zugabe tauschen Obermaier und Haring zum Abschied die Köpfe. SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Petra Hallmayer, 23./24. Juni 2001 Verschluckt vom Ich Aldous Huxley ("Schöne neue Welt"), Jevgenij Samjatin ("Wir"), George Orwell ("1984") das klassische Dreigestirn der negativen Utopie wird nun auf der Bühne eingeholt: D.A.V.E. des Austria-Duos Obermaier & Haring ist eine Horror-Body-Picture-Show aus dem Labor der Transplantations- und Gen-Technik. Der Mann auf der Bühne macht ein paar Bewegungen. Und plötzlich hat er sich aufgelöst. An seiner Stelle ruckt und rotiert, bald in Rasetempo, ein anderer. Ein "Virtueller". Das Trugbild schwindet, und Tänzer-Choreograph Chris Haring beginnt eine seiner prall physischen Bewegungsfolgen. ... Und immer wieder wird er verschluckt von seinem zweiten, dem digitalen Ich. ... Grusel-Variationen des postmodernen Frankenstein Klaus Obermaier, der in irrwitzig gut eingespieltem Timing seine Videos auf Harings Vorder- oder Rückseite projiziert. Ein Computertechno-Game, sound-animiert von Obermaiers vielfarbigem Elektroklanggewitter als Schreckensvision einer als Waffe dienlichen Krüppel- und Miss-Verklonung des Menschen. MÜNCHNER MERKUR Malve Gradinger, 23./24. Juni 2001 Tanzen bis zur Technisierung D.A.V.E. - eine außergewöhnliche Performance auf Tollwood ... "Digital amplified video engine" heißt die abgefahrene Performance, die am Donnerstag im Theaterzelt auf Tollwood Premiere hatte. ... Es ist plötzlich nicht mehr der Tänzer selbst, der sich da dreht, sondern ein Wesen aus einer scheinbar fernen Galaxy. Der Tänzer wird zur Leinwand. Auf der Bühne steht eine menschliche Holografie. Die elektronischen Beats tun ihr Übriges, um die Zuschauer aus ihren Körpern zu entführen und sich ihrem Geist zu überlassen. ... Konträr zum Technikwunder tanzt der Wiener Chris Haring zwischendurch auch im bloßen Scheinwerferlicht. Eine absurde, ästhetische Choreografie, die der außergewöhnlichen Performance Rechnung trägt. Ein bloßes Spiel aus greifbaren Muskeln und Sehnen, das schnell durch Filmprojektion auf den Tänzer wieder ins Ungreifbare rückt. Es ist faszinierend. … Ein Spiel zwischen dem Hier und Jetzt und der Zukunft, zwischen Körper und der Auflösung des Körperlichen. Tänzer Chris Haring ist nicht der Einzige, der die Performance bestreitet. Der Künstler wirkt im Duett mit Medienkünstler und Komponist Klaus Obermaier, dem Transplantationstechniker unter den beiden sozusagen. Den zwei Künstlern schlägt auf der Bühne nach dem Spektakel großer Applaus entgegen. AUGSBURGER ALLGEMEINE Ina Kresse, 23. Juni 2001 Musik- und Kongresshalle Luebeck Der virtuelle Hüpfball ... Dank dem präzisen Auge von Obermaier und der phänomenalen Körperpräsenz von Haring entsteht hier jedoch vor allem ein Stück von wundervoller poetischer Suggestionskraft. Überhaupt ist D.A.V.E. eine der bemerkenswertesten Arbeiten auf dem Experimentierfeld der Video-Tanz-Kunst. Selten haben die dynamischen Gesetze von Tanz und Performance und die der digitalen Bilder einander so schön durchdrungen. Haring versucht, mit amphibienhafter Geschmeidigkeit der Schwerkraft zu entkommen, lässt einen roten Ball durch die Bahnen seiner transparenten Glieder hüpfen, als wäre es das eigene Herz. Und verwandelt sich am Schluss mir nichts, dir nichts in eine Frau. DIE WELT (ik), 22. Februar 2001 Beam me up, D.A.V.E. ... Lübeck Ein seltsam verzücktes Deliriumlächeln liegt auf dem Gesicht des Tänzers. Er reckt seinen nackten, muskulösen Oberkörper, streckt die Hände empor, beginnt sich schneller und immer schneller zu drehen, von urbanen Strassengeräuschen umbrandet. Elektronische Beats setzen ein, treiben ihn voran, und plötzlich verschwindet der blonde Mann bit-stäblich, wird zur blossen Projektionsfläche für D.A.V.E., einem janusgleichen Wunderwesen aus dem digitalen Zauberkasten. Der Tanztrip ins multimediale Jetzt beginnt. ... Am eindrücklichsten ist die Transformation des jungen in den alten D.A.V.E., der über den Sinn des Lebens, des Jungseins im greisen Köroer philosophiert. Eine OP am Ego, eine Vivisektion, die sich wunderschön in die teilweise unheimliche digitale Körperdeformation à la Francis Bacon einreihte. Dass er mehr ist als ein digitales Spiegelbild, eine perfekte Leinwand, zeigt Chris Haring, der schon mit der weltweit renommierten Tanztheatergruppe DV8 gearbeitet hat, in den videofreien Szenen, die etwa die Hälfte des einstündigen Abends ausmachen. Mit grosser tänzerischer Ausdruckskraft erforscht er das abgeschaltete, vom Netz genommene männliche Ich. Über der ganzen Performance liegt wie ein audiovisuelles Netz Klaus Obermaiers eindringliche TonBildCollage: mal Techno, mal Trance, aber immer auf die digitale Schnittstelle komponiert; ein erstaunliches Kraftwerk made in Austria. Mit der in der Lübecker MUK heftig bejubelten Premiere von D.A.V.E. hat Juliane Rössler, die als Kuratorin die beiden Wiener Haring und Obermaier an die Trave holte, den richtigen Tanzriecher gehabt. D.A.V.E. eine bahnbrechende, nachdenkliche und, eine seltene Kombination, höchst amüsante Tanztheaterproduktion aus dem Hier und Jetzt. FLENSBURGER NACHRICHTEN Matthias A. Fredrich, 22. Februar 2001 D.A.V.E. - ein Spiel mit der Realität Tanzperformance der besonderen Art in der MUK Mit D.A.V.E. ist dem Tänzer Chris Haring und dem Komponisten Klaus Obermaier ein großer Wurf gelungen. Uraufgeführt haben sie ihr Werk im vergangenen Jahr in Singapur, seitdem sind sie auf Tournee. ... D.A.V.E. ist eine verstörende, aber auch eine in gewissem Sinne betörende Erfahrung. Die Abkürzung steht für digital bearbeitete Videos, diese bewegten Bilder werden auf den Körper des Tänzers Chris Harung projiziert. Man hat solche Bilder und Zeichen noch nie gesehen: Der Tänzer bekommt ein anderes Gesicht, sein Hinterteil wird zum schmatzenden und fabulierenden zweiten Gesicht, er wird sogar zur Frau, er wechselt die Farben, löst sich fast auf. D.A.V.E. ist ein Spiel mit den Ebenen der Realität. Was eben noch der reale Mensch ist, verwandelt sich im nächsten Moment in ein Kunst-Wesen mit Augen wie ein Hammerhai und Ohren wie ein junger Elefant. D.A.V.E. ist dennoch fast wie das richtige Leben, weil ja auch im Alltag nur mit wachsenden Schwierigkeiten zwischen authentisch und virtuell unterschieden werden kann. Zu diesem Ansatz passt dann auch die Musik von Klaus Obermaier, eine Klang-Collage aus Straßenlärm und Synthesizer-Tönen, die in ihrer Aggressivität manchmal schon fast körperliche Pein bereitet. Aggressivität ist eins der Grundthemen dieser Performance. Chris Haring ist ein ausgezeichneter Tänzer voll Kraft und Ausdruck, seine Körperbeherrschung ist nur zu bewundern. Aber seine Körpersprache ist rau in D.A.V.E., gegen die Außenwelt gerichtet und hart. Es ist der ewige Kampf zwischen echt und falsch, zwischen Mensch und Video, der diesen Abend so spannend macht. D.A.V.E. dauert zwar nur eine Stunde, aber diese eine Stunde hat Substanz. Entschieden wird der Kampf zwischen Bild und Wirklichkeit am Ende nicht, eigentlich bleibt jedem Zuschauer selbst überlassen, welchen Schluss er aus der Flut der Bilder zieht, diesen einzigartigen sprechenden Bilder, die so viele Fragen stellen und so wenige Antworten geben - D.A.V.E. ist tatsächlich ein wenig wie das richtige Leben. Und deshalb sollte man sich D.A.V.E. unbedingt ansehen - man kann auch über die Kunst etwas über das Leben lernen. LUEBECKER NACHRICHTEN Jürgen Feldhoff, 22. Februar 2001 Ars Electronica Festival NEXT SEX Faszination: Sinnestäuschung Beim Festival Ars Electronica faszinierte diese sinnestäuschende Verschmelzung von Mensch und Technik. Worauf ist eigentlich noch Verlass? Auf die eigenen Augen jedenfalls nicht. Das bewies eindrucksvoll die Vorstellung D.A.V.E. des Linzer Medienkünstlers und Komponisten Klaus Obermaier und des Tänzers Chris Haring im Linzer Brucknerhaus. ... Nicht nur, dass diese Performance ein faszinierendes Schauerlebnis bietet, ist sie auch vom Denkansatz ein interessantes, ja philosophisches Projekt über das Ich und Über-Ich, über die vielen Seiten und Gesichter eines Menschen. ... Dass am Ende aus diesem Mehrfachwesen, das sich von seinen Mitbewohnern in der Fleischeshülle befreien will, eine Frau wird, ist überraschender Schlusspunkt einer viel bejubelten, zukunftsweisenden und theatralisch anspruchsvollen Performance im übervoll besetzten Brucknerhaus-Saal. OBEROESTERREICHISCHE NACHRICHTEN Silvia Kitzmantel, 7. September 2000 Danse avec les images Als sie am 6.September in Linz waren, haben es der österreichische Künstler Klaus Obermaier und der Tänzer Chris Haring geschafft, Körper und Video perfekt in ihre Performance zu integrieren. ... Diese wundervolle Choreographie ist das Werk von Klaus Obermaier, Multimediakünstler und seinem Pygmalion in Tanzschuhen, Chris Haring. ... TRANSFERT/F Solveig Godeluck, Oktober 2000 Völklinger SCHICHTWECHSEL Festival Ein Meisterwerk… Wirklich verblüffende Effekte gab´s bei D.A.V.E. ... Rumpf, Kopf und Gliedmassen verformten sich vor den Augen des staunenden Zuschauers. ... und so wand sich der zum Sensationsobjekt erklärte Leib wie von unheimlichen Kräften getrieben und zerrieben. ... eine einstündige tänzerische Meisterleistung Harings. SAARBRUECKER ZEITUNG 30. Oktober 2000 dietheater Künstlerhaus Wien Die neue Kooperation des Wiener Tänzers Chris Haring mit dem Komponisten und Video- Künstler Klaus Obermaier ist erstaunlich. Die Produktion ist ein ausgefeiltes Verwirrspiel. Welche Figur ist real, welche virtuell. Wann ist Haring, wann der künstliche Mensch zu sehen. ... Sein Muskelspiel betont das Leibhaftige, das ihm im nächsten Moment, im Schein des Videos, abhanden kommt. Obermaiers E-Beats fräsen sich indessen durch die Ohren. KURIER Andrea Amort, März 2000 Abseits der konventionellen Tanzperformance beschritten Chris Haring und Klaus Obermaier mit S.L.A.V.E. system leaving at virtuell exit eine neue, beeindruckende Dimension der Tanzsprache. Fast prophetisch wirkten die auf Harings Körper mittels Videotechnik übertragenen Transplantationen. DIE PRESSE Irene Stelzmüller, März 2000 Als perfektes Ergebnis gestaltet sich nun S.L.A.V.E. system leaving at virtuell exit. ... Erzeugt wird die Illusion vom Über-Tänzer, der sich in Hochgeschwindigkeit drehen und stillstehen kann. ... DER STANDARD Ursula Kneiss, März 2000 Das Ergebnis des arbeits- und zeitintensiven Projekts verblüffte. Musik, Tänzer und Projektionen verschwammen ineinander. ... Chris Haring tanzt Chris Haring, und ist doch nicht er selbst, sondern ein anderer. Er ist D.A.V.E., der virtuelle Mann. ... Realität und Virtualität fließen ineinander. TANZ AFFICHE Gabriele Haselberger, Juni 1999 |
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