Das Ich, allein im virtuellen Raum
RUHRTRIENNALE /
Im Lokschuppen hatte Klaus Obermaiers überwältigende Medienperformance "Oedipus reloaded" Premiere.
Verloren im Raum zwischen Welt und Ich: Hannes Hellmann als Ödipus und moderner Sinnsucher.

Ödipus und sein Ringen um (Selbst)-Erkenntnis sind die Projektionsfläche für die Sinnsehnsucht des modernen Menschen und Anlass für einen Abend aus überwältigenden Bilderfluten, Klang und Wort des Wiener Medienkünstlers Klaus Obermaier. [...]

Für das auf sich selbst zurückgeworfene Subjekt hat Obermaier, technisch unterstützt von dem Linzer Ars Electronica Futurelab, einen digitalen Kosmos erschaffen, in dem es keinen Halt und keinen festen Boden gibt. Hellmanns Erkenntnissucher watet durch unsicheres Wasser, wird durchzuckt und umkreist von elektronisch erzeugten Formen und Linien, sein Körper wird durchdrungen von der Fratze seines Selbst. Seine Worte setzen sich optisch in flirrenden Mustern fort, verhallen zu Echo und düsterem Sound. Eine assoziative Welt- und Seinsauflösung als optisches und klangliches Ereignis.

Und während Hellmann eindrucksvoll die sperrigen Textpassagen u.a. von Sophokles, Descartes, Nietzsche und Sloterdijk doziert, seziert, rhythmisiert und sprachlich reflektiert, zerbirst irgendwann hinter ihm die Welt in ungeheuren Wellen von nicht endenden Explosionen und Feuersbrünsten, bis diese sich schließlich zur Erde formen - von fern, aus den unendlichen Weiten des Alls betrachtet. [...]
NRZ 03.06.2004, Jacqueline Siepmann


Ödipus bahnt sich den Weg durch Videos und Sounds
[...] In rasendem Tempo wechseln Bilder, verschmelzen mit eindringlichen Klangkompositionen und kraftvollen Lichtprojektionen.
In diesem Theater aus Videos und Sounds spielt einer die Hauptrolle: Hannes Hellmann, der mit seiner klassischen Schauspielkunst eins wird mit der innovativen Inszenierung.
Mit Sätzen, die zu elektronisch verfremdeten Textströmen anschwellen, beschleunigen sich die Projektionen. Immer schneller wirbeln die Bilder. Ödipus ist wohl verrückt geworden. Und dieser Zustand ist gleichsam eine Metapher für die Losgelöstheit des Individuums in unserer Zeit.
WAZ 28.05.04


Der Mensch, ein Fleck im Kosmos
MÜLHEIM: «Oedipus Reloaded» fasziniert
[...] Der Mensch, so viel ist am Ende dank der überwältigenden Macht der Bilder klar, bleibt mit seinem Forschungsdrang immer auf sich selbst und auf logische Zirkelschlüsse zurück geworfen. Er mag intelligente Fragen stellen und bleibt doch ein unbedeutender Fleck im Kosmos.
Recklinghauser Zeitung 08.06.2004, Katrin Pinetzki


Von der Ursuppe in den Cyberspace
[...] Gedankengebirge, die aus alten Fragen neue Fragen ent- und den Suchenden weiter im Regen stehen lassen. Also doch keine Antworten? Immerhin jede Menge attraktive Anregungen, beeindruckende Bilder und hier und da etwas Erhabenheit, die uns sowohl an unsere Ursuppenhaftigkeit, als auch an die Möglichkeiten moderner Computertechnologie erinnert.
Westdeutsche Zeitung Düsseldorf