TanzUrban/Heidelberg:

Schlüssiges Konzept
Wiener Erfolgsduo beim Tanzfestival
Wahrnehmung ist – im Zeitalter der technischen Machbarkeit aller nur denkbaren Bilder – ein zentrales Thema in der aktuellen Kunst. Nicht umsonst ist auf der Bühne wie im Alltag längst die Vernetzung neuer und traditioneller Medien Wirklichkeit geworden. Auch im Tanztheater gehören Videoeinspielungen längst zum guten Ton bzw. Bild. Niemand hat allerdings bislang die Verschränkung von konkreter und virtueller Realität so konsequent vorangetrieben wie das Wiener Erfolgsduo Chris Haring (Choreografie) und Klaus Obermaier (visuelles Konzept, Video, Musik).
Noch radikaler als in ihrem internationales Aufsehen erregenden Erstling D.A.V.E. haben die Wiener in VIVISECTOR die Projektion zum Urheber der Wahrnehmung gemacht. Das 60-Minuten-Stück wird ausschließlich vom Licht des Beamers erhellt. ...
Wahrnehmung ist eine beständige, für Täuschungen aller Art anfällige Illusion: Niemand tritt für diese These derzeit einen überzeugenderen Beweis auf dem Tanzboden an als die Compagnie Haring/Obermaier – ein fulminanter Abschluss des vom Heidelberger UnterwegsTheater im FNAK organisierten Festivals "TanzUrban".
RHEIN-NECKAR-ZEITUNG – Isabelle v. Neumann-Cosel, 27.Juni 2003

bone machine/Salzburg:

Beam me up! - Die Entgrenzung des Körpers
"Vivisector" Die "künftig mögliche Entgrenzung des Körpers". So beschreiben Klaus Obermaier und Chris Haring ihr Video- und Tanzstück "vivisector". Ein schwieriges Thema - doch die beiden setzen es bei ihrem Auftritt in der Reihe "bone machine" in der ARGEkultur Salzburg mit einer träumerischen Leichtigkeit um: Menschen werden zu Pixelfeldern, Ionen und Elektronen tanzen durch und über die Körper, simulieren Blutbahnen und Körperfunktionen. Künstlich wirkende, blonde Klone aus einem bioelektrischen Labor krümmen sich in ihrem simulierten Reagenzglas wie Würmer, lernen kriechen, krabbeln, aufrecht gehen. Doch die Bewegungen sind gleichförmig, koordiniert, maschinengleich. Das kann nicht funktionieren

Aber die Technik macht's möglich. Begrenzungen des Lebens werden aufgehoben. Ein neuerliches Pixelpuzzle entsteht. Fast erwartet man den Befehl "Beam me up". Neue Körper formen sich, werden Ersatzteil-Lager für Organe. Das Menschliche verschwimmt wie Moleküle in der Heissenberg'schen Unschärfe-Relation. Multifunktionelle Körpermaschinen am Gängelband der Gentechnologie entstehen - Marionetten des Lebens.

Doch das Menschliche bricht durch. Allerdings frankensteinartig, die Grenzen zwischen Gut und Böse sind verwischt. Neuerlich greift die Technik ein, korrigiert das künstliche Menschenwesen, fügt eine Prise Herz hinzu. Die Bilder werden wieder weicher, leichter, tänzerischer. Eine wunderschöne, spannende Performance - bei uns als experimentelles Minderheitenprogramm gehandelt, in London und Paris seit Wochen ausverkauft.
SALZBURGER NACHRICHTEN – Ursula Schupfer, 14.Februar 2003

ImPulsTanz Festival 2002/Wien:

Video-Gene des Tanzes
"Vivisector" im Museumsquartier: Die österreichischen Performance-Künstler Klaus Obermaier und Chris Haring entführten in die Welt der computergenerierten Bilder.
Die gentechnische Veränderung von Lebewesen gehört heute zu den meist diskutierten Themen: Die Auswirkungen auf Tier- und Planzenwelt, aber auch auf Menschen lassen sich nur schwer abschätzen. Fast prophetisch wirkten da die von Video- und Soundkünstler Klaus Obermaier und Choreograph und Tänzer Chris Haring auf den Körper mittels Videotechnik übertragenen Transplantationen. Abseits der konventionellen Tanzperformance spürten sie dem Wechselspiel von Körper, Licht und Raum nach.
Bisher existierten Tanz und Video auf der Bühne meist nebeneinander. Die beiden Performance-Architekten führten Videotechnik, Musik und Tanz zu einer neuen, bisher noch nicht gesehenen geschlossenen Form zusammen. Vier Tänzer erschienen in hellen Jeans, mit nackten, muskulösen Oberkörpern. Darauf wurde der Körper nochmals als Videobild desselben Tänzers projiziert. Das Bild begann sich zu bewegen, verformen, verzerren. Die Tänzer änderten ihre Hautfarbe, ihre Körper vervielfältigten sich und lösten sich auf. Dabei zerhackte ein Stroboskop die Bildhaut, spielte mit ihren Pixelschuppen, spiegelte optische Dekonstruktion und genetische Manipulation. Die Illusion wurde zur Realität und die Zeit zum Raum, letztlich nahm sich jeder als selbstbestimmendes Individuum wahr. Ein nicht alltägliches Tanzerlebnis.
DIE PRESSE – stelz, 13.August 2002

Wien ist eine Tanzstadt
"Vivisector" von Chris Haring/Klaus Obermaier wirkt durch die Verknüpfung von Tanz, Performance, Videoprojektionen und Live-Musik richtungsweisend. Der Einsatz von Videolicht sorgt für neue Bühnendimensionen. Der virtuelle Tänzer hat die Leinwand überwunden und betritt die Bühne, unzählige Variationen für ein Spiel mit Illusionen sind eröffnet.
SALZBURGER NACHRICHTEN – Silvia Kargl, 13.August 2002

Bravourös verfremdet
Menschen als Projektionsflächen auf der Bühne in der Halle E im Museumsquartier. Was ausgeklügelte Videotechnik aus ihnen macht, nämlich abstrakte Bilder oder verfremdete Strukturen, kann faszinieren. Wenn in den "Pausen" die Tänzer pur erscheinen, wird einem die Licht-Gewalt der künstlich produzierten Visionen erst so recht bewusst.
Mit dem Video-Tanz-Stück "D.A.V.E." hatten Klaus Obermaier und Chris Haring vor rund zwei Jahren einen so genannten Welterfolg eingefahren. Wie der Komponist und Videokünstler Obermaier den Choreografen und Tänzer Haring mit Projektionen eingelullt, übermalt, verwandelt hat, war bemerkenswert. Wie Haring mit den Bildern tänzerisch spielte, war reizvoll.
Damals hatte die Diskussion um die Themen Nacktheit des Körpers und Geschlechterdebatte bereits ihren Höhepunkt überschritten. Nun wurde "Vivisector" uraufgeführt. Haring hat sich vervierfacht, die Tänzer Tom Hanslmaier, Konstantin Mishin und Olaf Reinecke wirken wie Klone des Erfinders. Obermaier konnte seine bereits stupende Technik der Körperprojektion noch ausbauen und verfeinern. In "Vivisector" spielt er bravourös Möglichkeiten der Fragmentierung, der Auflösung in Punkte, der Verwandlung durch. Das Männerquartett wird zur grafischen Figur im schwarzen, von dichten Klängen getragenen Raum. ...
KURIER – Andrea Amort, 13.August 2002

Technik verdrängt Tanz
... Vier Tänzer (Chris Haring, Tom Hanslmaier, Konstantin Mishin, Olaf Reinecke) mit nacktem Oberkörper und hellen Hosen stehen in fast vollkommener Dunkelheit auf der Bühne. Auf ihre Körper werden verblüffend passgenau Bilder geworfen, die einmal den Eindruck erwecken, man könnte das Blut in den Adern fließen sehen, ein anderes Mal den Körper als Ansammlung von elektrischen Impulsen erscheinen lassen. Einzelne Gliedmaßen scheinbar vom Körper abgetrennt, sich öffnende Bauchhöhlen, schwebende Füße, Köpfe ohne Unterleib oder Unterleib ohne Köpfe: Die Trickkiste des Klaus Obermaier ist unerschöpflich.
Man wähnt sich in einem Science-Fiction-Szenario, in dem Wesen von einem anderen Stern die Erde erobern. Unterstrichen wird dieser Eindruck von einem Klangteppich – ebenfalls von Klaus Obermaier entworfen –, der dominiert ist von düsteren, dumpfen Synthesizer-Sounds.
Ergebnis ist eine tolle, etwa einstündige optische Show, die mit Tanz nur mehr peripher zu tun hat. Menschen bewegen sich wie Maschinen, darauf bedacht, den technischen Effekt zu steigern. Eine beängstigende Vision am Ende eines Tanzfestivals, gleichermaßen genial wie verstörend.
WIENER ZEITUNG – Brigitte Suchan, 13.August 2002

Ballett der gebogenen Quadrate
Zum Schluss präsentierte das ImPulsTanz-Festival im Museumsquartier noch die interessante Uraufführung von "Vivisector", einem Stück von Chris Haring und Klaus Obermaier. ...
Dann plötzlich ein Lichtwechsel. Aus dem Dunkel wachsen stattliche Rücken, die sich feinnervig in Bewegung setzen, Schultern, die rotieren, bis sich schließlich der anonyme Bewegungsapparat in Gang setzt. In den Zwischenspielen sind die vier Tänzer als Männer zu erkennen, bwegen sich statisch, präsentieren akkurat eingesetzte, leibliche Gesamtkörperlichkeit. Da wird der Bewegungsapparat in Einzelteile zerlegt, zeigt man, was virtuos alles möglich ist.
In "Vivisector" geht es jedoch nicht alleine um Schaustellung und um Tanz. Der "noch" vorhandene Tanz wird zum Attribut, wird zu Design, die Körperhaut zum Vermittler und zur Bildfläche eines beachtlich konzipierten Computerdesigns, innerhalb dessen der Mensch nur noch mobiles Objekt ist. Dass sich mittels Projektion die extremsten visuellen Spielereien, von der absurden Verzerrung bis zum Echtabbild, machen lassen, ist klar. Der von Klaus Obermaier und Chris Haring eingeschlagenen Weg ist aufgegangen. "Vivisector" gehört zum Eröffnungsprogramm der Ars Electronica.
DER STANDARD – Ursula Kneiss 13.August 2002

Ringlokschuppen, Mülheim a. d. Ruhr/Deutschland:

Tanz in neue Dimensionen
Vier Männer rollen, ja robben sich in diffusem Licht auf die Bühne. Zu Individualität werden sie in der folgenden Stunde nicht erwachen, weniger Mensch sind sie, sondern eher Objekt virtueller und visueller Forschung. Vivisektion nennt sich der Eingriff am lebendigen Körper im Dienst der Wissenschaft. "Vivisector" heißt eine außergewöhnliche Tanzproduktion der Wiener Künstler Klaus Obermaier und Chris Haring ...
Was ist real, was ist virtuell? Worin unterscheidet sich der menschliche Körper von einem künstlichen Wesen? Das sind die Fragen die "Vivisector" nicht beantwortet, aber fokussiert. Und wie der Video- und Klangkünstler Klaus Obermaier und die vier Tänzer um den Choreographen Chris Haring dies ästhetisch umsetzen, eröffnet eine neue visuelle Dimension. In einer bizarren Science-Fiction-Galaxie werden die vier Körper per Videoprojektion von Pixeln durchdrungen, die sich zu immer neuen Mustern formen. Die Haut wird zur Projektionsfläche von Bildmaterial, Lichter durchzucken, durchfahren die Leiber, zwingen ihnen ihren Rhythmus auf, lösen sie auf. Die künstliche Welt gewinnt Oberhand über die reale, die Tänzer rücken in den Hintergrund gegenüber der schier übermächtigen manipulativen Kraft. Die Menschen zersetzen sich in Einzelteile und finden wieder zusammen. ...
Atemberaubend sind die vielen Tricks, die die Schwerkraft außer Funktion zu setzen scheinen, die Köpfe zu verzerrten Fratzen formen. Fast beängstigend wirken die flirrenden Zukunftsszenarien, die Haring und Obermaier erfunden haben, und die von einem sphärischen Klangmuster begleitet werden. Es sind die verstörenden Bilder eines Albtraums, in dem sich schließlich die Körper öffnen, Einblick in ihr Inneres geben. Am Ende wandeln sich die Bauchhöhlen zu höhnischen Grimassen. Applaus für einen rätselvollen Abend zwischen den Welten.
NEUE RUHR ZEITUNG –Jacqueline Siepmann, 20.September 2002

Beim roten Licht leuchten die E.T.-Füße
Effektvoller Tanz macht einen Schritt in die Zukunft.
So konsequent wie der Choreograph Chris Haring und der Medienkünstler Klaus Obermaier hat bisher noch niemand Videotechnik in einer Bewegungs-Performance eingesetzt. ...
Als bühnenästhetische Neuerung ist "Vivisector" außerordentlich gelungen, inhaltlich und emotional wirft es zumindest wichtige Fragen auf: Wie weit beeinflusst die virtuelle Welt die realen menschlichen Bewegungsabläufe?
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG – Thomas Mader, 20.September 2002

Der Tanz in einer Zwischenwelt
Videoprojektionen und lebende Körper verschmelzen zu einer ausdrucksstarken Performance.
Hellgrelle Lichter zucken im Rhythmus des Muskelspiels der Körper, die sich in Sekunden auflösen, um sich ebenso schnell wieder mit neuer Identität aufzubauen. Auf dem digitalen Klangteppich bewegen sich die Tänzer in einer Zwischenwelt – dem "Vivisector". In dem Virtualität und Realität miteinander verschmelzen.
Es ist die perfekt gelungene Illusion einer Metamorphose, inszeniert durch Videoprojektionen, bewegte Körper, sphärische Klänge und punktgenaues Licht. Einen Ausschnitt ihrer neuesten Tanz-Medien-Performance "Vivisector" präsentierten der medienkünstler Klaus Obermaier und der Choreograph Chris Haring kürzlich im Ringlokschuppen, noch bevor es auf dem Tanzfestival "ImPuls" in Wien und dem Medienkunst-Festival "ars electronica" in Linz zu sehen ist.
... Auf diese originelle "Science Fiction Tanz-Performance" dürfen die Zuschauer gespannt sein.
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG – Margitta Ulbricht, 10.August 2002

Bewegung im Takt der Pixel
In "Vivisector" erfährt der Körper keine Grenzen: er löst sich in Pixel auf, atomisierte Gliedmaßen schweben im Raum, das Körperinnere gewährt Einblicke in sein Eigenleben, Menschen beginnen frei im Raum zu schweben. "Vivisector" heißt das ungewöhnliche Erlebnis, in dem sich Klang, Tanz und Videokunst miteinander zu einem Grenzgang zwischen Realität und Virtualität vereinen. ...
"Vivisector" entzieht sich jeder Kategorisierung, weil es in seiner Konzeption und Durchführung so ganz anders ist als bislang Gesehenes. ...
NEUE RUHR ZEITUNG – jasi, 10.August 2002

Künstlerhaustheater, Wien:

Wenn Licht mit Körpern tanzt
Einfach genial. Abseits der konventionellen Tanzperformance erforschten Chris Haring und Klaus Obermaier das Wechselspiel von Körper und Raum. In "Vivisector 0.3", eine neue, beeindruckende Dimension der Tanzsprache, überwand der Mensch durch reale Metamorphose und virtuelle Transformation seine körperlichen Grenzen. ...
Die Illusion wurde Realität und die Zeit zum Raum, letztendlich nahm sich jeder als selbstbestimmendes Individuum wahr. Ein nicht alltägliches Tanzerlebnis.
DIE PRESSE – stelz, 9.Jänner 2002

… Gelungen ist hingegen "Vivisector 0.3" als multimediale Performance von Chris Haring und Klaus Obermaier, die Video, Musik, Choreographie und Tanz gekonnt für vier Tänzer verbindet. Wie ein choreographisches Panoptikum wirkt das Quartett, das allen technischen Raffinessen zum Trotz doch ein sinnliches Theatererlebnis zu vermitteln versteht. ...
Das Spiel mit dem "Who is who", ungewohnte Blicke auf Körperteile wie Schulter, Kopf oder Bauch entwickeln eine spezifische Dynamik, die das Stück zwischen attraktiver Unterhaltung und Nachdenklichkeit über die Zukunft des Individuums polarisiert.
SALZBURGER NACHRICHTEN - Silvia Kargl, 9.Jänner 2002